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Freshfields: Wiener Associates gründen eigene Kanzlei

Freshfields Bruckhaus Deringer-Associates um den Wiener Corporate-Anwalt Dr. Michael Barnert haben Anfang des Jahres die Kanzlei verlassen und sich selbstständig gemacht. Marktbeobachtern zufolge könnten Abspaltungen aus Großkanzleien zu einem Trend in der österreichischen Landeshauptstadt werden.

Mit dem 33-jährigen Corporate/M&A-Rechtler Barnert zusammen gegangen sind der Corporate-Finance-Mann Alexander Illigasch (35) und Dr. Clemens Egermann (28), dessen Schwerpunkte in den Bereichen Asset-Planning, Nachfolge und Stiftungen liegen.

„Als Selbstständige genießen wir jetzt eine größere Flexibilität sowie mehr Freiheit in der Akquise ohne Konflikte und Honorarvorgaben“, schilderte Barnert ein Motiv für den Schritt der Anwälte. „Zudem sind es sehr glückliche Umstände, dass wir uns zu dritt für die Selbstständigkeit entschlossen haben. Denn es ist am Anfang sehr hilfreich, dass wir uns schon lange kennen.“ Die drei Kanzleigründer haben an einigen wichtigen Wiener Freshfields-Mandaten mitgearbeitet, unter anderem am Erwerb eines österreichischen Mobilfunkanbieters durch das US-Unternehmen Western Wireless International sowie der Finanzierung des Papierkonzerns Sappi durch einen syndizierten Kredit über 500 Millionen Euro und der Begebung einer Unternehmensanleihe in Höhe von 750 Millionen Euro.

Der Standortleiter des Wiener Freshfields-Büros, Dr. Günther Horvath, hat viel Verständnis für die Entscheidung seiner ehemaligen Kollegen. „Ich finde es sehr schön, wenn sich Associates, die sich bei uns kennen gelernt haben, selbstständig machen. Das spricht auch für die gute Atmosphäre bei uns.“ Der Vermutung, der Schritt könne auch aufgrund fehlender Partnerperspektiven vollzogen worden sein, widersprach Horvath. Vor der Fusion mit Freshfields vor einigen Jahren sei der Maßstab für die Partnerschaft bei der Vorgängerkanzlei Heller Löber Bahn ebenfalls sehr streng gewesen. „Da hat sich nichts geändert und es ist auf keinen Fall härter geworden“, sagte Horvath.

Ob die Entscheidung der Freshfields-Associates den Auftakt einer Entwicklung am Wiener Anwaltsmarkt hin zu häufigeren Abspaltungen darstellt, wird allerdings unterschiedlich beurteilt. Obwohl sich ebenfalls zum Jahreswechsel zwei Non-Equity-Partner von Haarmann Hügel in einer Boutique selbstständig gemacht haben, erkennt Horvath darin keinen Zusammenhang: „Einen Trend sehe ich nicht“, sagte er. Anders äußerte sich dagegen Professor Dr. Hanns Hügel. Er hatte anlässlich der Abgänge aus seiner Kanzlei erklärt: „Ich sehe ihr Ausscheiden als Bestandteil eines Trends. Manche Anwälte glauben, dass sie sich in einer kleineren Kanzlei, flexibel und selbstständig, besser organisieren können." (Jörn Poppelbaum)

Nachricht zuerst veröffentlicht am: 2004-01-22

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